Das Projekt beschleunigt die Ambulantisierung in der Schweiz, indem es organisatorische, medizinische und logistische Hemmnisse überwindet. Es setzt auf das Engagement der Teams, einen optimierten Patientenpfad, innovative Lösungen («Kokons», Serenity, Grimoires) und gezielte Kommunikation. Ziel ist es, die Sicherheit, reibungslose Abläufe und das Vertrauen zu stärken, um ein dauerhaft leistungsfähiges Modell für die ambulante Versorgung zu schaffen.
Alle Zentren für ambulante Chirurgie.
Das Zentrum für ambulante Chirurgie wurde nach den Grundsätzen der Effizienz, reibungsloser Abläufe und Qualität konzipiert. Seine Eröffnung im Jahr 2026 mit zehn Operationssälen für grundversicherte und private Patientinnen und Patienten stellt einen Meilenstein dar. Für den Erfolg des Projekts ist es entscheidend, dass eine dynamische, innovative Ambulantisierung mit begeisterten und engagierten Teams umgesetzt wird, um so für Zuversicht und Beruhigung bei den Patientinnen und Patienten zu sorgen. So kann das Projekt zu einem nationalen Referenzmodell werden.
Dieser qualitätsorientierte Ansatz soll die Ambulantisierung unterstützen und beschleunigen, indem die derzeitigen Hindernisse genau identifiziert und geeignete Massnahmen zu ihrer Überwindung eingesetzt werden. Für die im Zentrum tätigen Teams sollen verbesserte Organisation, Koordination und Abläufe die Effizienz steigern und gleichzeitig den Arbeitsalltag einfacher gestalten. Wer als Fachkraft Anerkennung, Sicherheit und Unterstützung spürt, ist besser gerüstet, um eine kohärente, fürsorgliche und sichere Betreuung zu gewährleisten. Die Patientinnen und Patienten wiederum sollen mehr Klarheit über den Behandlungspfad, ein Gefühl der Sicherheit und das notwendige Vertrauen haben, um sich auf das ambulante Modell einzulassen. Das Ganze beruht auf einer klaren Idee: Mit zielgerichteter Unterstützung können Fachkräfte besser arbeiten, was wiederum auf die Patientinnen und Patienten beruhigend und vertrauenswürdig wirkt. Ziel ist ein leistungsfähiges, menschliches und nachhaltiges ambulantes Modell, das für eine starke kollektive Dynamik sorgt und die ambulante Versorgung als überzeugende, verständliche und akzeptierte Option verankert.
Methodik
Der Prozess umfasste zwei aufeinanderfolgende Phasen.
In der ersten Phase wurde ein systematisches Audit unter drei Gesichtspunkten durchgeführt: Organisation des Angebots, Patientenpfad und Wahrnehmung durch die Bevölkerung. Das Audit der organisatorischen Aspekte zeigte die Notwendigkeit, den Unterricht durch optimierte Abläufe zu verstärken, die Teams über ein Gefühl der Zugehörigkeit zu stabilisieren, die Umgebung und den Komfort für die Patientinnen und Patienten zu verbessern, das elektronische Dossier zu optimieren (insbesondere in der Anästhesie) und den präoperativen Ablauf flüssiger zu gestalten.
Das zwischen April und September 2025 durchgeführte Audit des Patientenpfads bei 1163 Patientinnen und Patienten ergab verbesserungswürdige Wartezeiten, das Fehlen einer Möglichkeit, über das Feedback von Patientinnen und Patienten Qualitätsindikatoren zu erstellen, und eine Quote ungeplanter Spitalaufenthalte in Höhe von 4 Prozent, die hauptsächlich auf logistische, chirurgische oder anästhesiologische Ursachen zurückzuführen war. Gleichzeitig ergab das im März 2025 bei 3957 Personen durchgeführte Audit der Wahrnehmung durch die Bevölkerung, dass 41,4 Prozent der Befragten die ambulante Behandlung befürworteten, während 58,6 Prozent Vorbehalte äusserten. Diese beziehen sich hauptsächlich auf das Risiko postoperativer Komplikationen (31,5 Prozent), die Angst vor unzureichender Überwachung zu Hause (28,8 Prozent), logistische Einschränkungen bei der Rückkehr (15,6 Prozent) und das Schmerzmanagement zu Hause (12,8 Prozent).
In der zweiten Phase wurden für jedes der ermittelten Hemmnisse innovative und umsetzbare Lösungen entwickelt, die die Effizienz, Sicherheit und Akzeptanz der ambulanten Chirurgie verbessern sollen.
Ergebnisse
Die Analyse der Schwächen ermöglichte die Umsetzung einer Reihe gezielter Massnahmen in drei zentralen Aspekten: Organisation, Patientenpfad und -komfort und schliesslich Kommunikation und Qualitätssteuerung. Diese Massnahmen zielen darauf ab, den Besonderheiten der ambulanten Versorgung gerecht zu werden, insbesondere in Bezug auf Zeit, flüssige Abläufe und Antizipation, und gleichzeitig Sicherheit, Leistung und Erfahrung zu gewährleisten.
1. Organisation des Zentrums
Aus über 400 Bewerbungen wird derzeit ein stabiles, engagiertes, generationenübergreifendes und dynamisches Pflegeteam zusammengestellt. Dabei geht es nicht nur um fachliche Fähigkeiten, sondern vor allem um Vielseitigkeit, Flexibilität und die Motivation, sich in ein kollektives Projekt einzubringen, um das ambulante Modell zu einem Erfolg werden zu lassen.
Die Tatsache, dass jederzeit eine engagierte, solidarische OP-Leitung und medizinische Koordination präsent sind und sowohl den Teams als auch den Patientinnen und Patienten zur Seite stehen, stärkt den Zusammenhalt und das Zugehörigkeitsgefühl. Diese Nähe schafft eine Dynamik des Vertrauens und des Engagements, die für die erfolgreiche Arbeit im ambulanten Bereich unerlässlich ist.
Darüber hinaus wird die Arbeitsumgebung von neuen, ergonomischen Räumen voller Tageslicht profitieren; auch der Operationssaal wird einladender und weniger streng wirken. Die so geschaffene Atmosphäre wird zum Wohlbefinden der Teams beitragen, ihre Effizienz fördern und damit die Qualität der Patientenversorgung steigern.
Da die ambulante Chirurgie von zeitlichen Zwängen geprägt ist, wurde die Lehrtätigkeit neu organisiert, um die Abläufe nicht zu gefährden. Dank der intensiven pädagogischen Begleitung, die direkt von den Kaderärztinnen und -ärzten durchgeführt wird, lassen sich Lernen und klinische Effizienz nun besser in Einklang bringen.
Diese Dynamik wird dadurch verstärkt, dass das Zentrum mit einem gewissen Abstand zu den wichtigsten Spitalstandorten angesiedelt ist, sodass die Chirurginnen und Chirurgen sich auf die operative Tätigkeit konzentrieren können. Aufgaben, die nicht zur chirurgischen Kerntätigkeit gehören, sorgen oft für Verzögerungen. Indem diese Aufgaben reduziert werden, trägt die Organisation dazu bei, einen optimalen Operationsrhythmus beizubehalten und gleichzeitig die Qualität der Ausbildung zu wahren.
Konkrete Massnahmen wurden bereits umgesetzt:
Parallel dazu wurde die Umgebung für die Patientinnen und Patienten völlig neu gestaltet. Private Ruheräume, sogenannte «Kokons», sind an die Stelle von Gemeinschaftsräumen getreten, was Ängsten entgegenwirkt und die Intimität erhöht. Im Rahmen des Programms «Serenity» haben wir technische, organisatorische und sensorische Anpassungen (Musik, Kopfhörer) vorgenommen, um die intraoperative Lärmbelastung zu verringern. Dies sorgt für mehr Komfort und eine höhere Konzentration der Teams und reduziert den Einsatz von Medikamenten. [5] Das Konzept, gehfähige Patientinnen und Patienten den Weg zum OP zu Fuss zurücklegen zu lassen, unterstützt den Mobilisierungsprozess.
Die Anästhesie-Software Grimoires, eine voll integrierte, webbasierte Lösung, die speziell für das Zentrum entwickelt wurde, ermöglicht eine schnelle Erfassung in der Sprechstunde, den automatischen Abruf früherer Daten und eine auf das Wesentliche reduzierte intraoperative Rückverfolgbarkeit. So wird das elektronische Patientendossier optimiert. Diese Integration bietet den medizinischen Teams eine benutzerfreundliche und zuverlässige digitale Umgebung, was wiederum dazu beiträgt, die kognitive Belastung zu verringern und eine optimale Dokumentation zu gewährleisten. [6] So unterstützt sie in einem Kontext, in dem die Kontrolle von Zeiten und Prozessen ein zentraler Erfolgsfaktor ist, den reibungslosen Operationsverlauf.
2. Patientenpfad
Um die Abfolge der Schritte zu verbessern und Unterbrechungen nach Möglichkeit zu vermeiden, wurde entschieden, dass Chirurgin, Anästhesist und Pflegekraft in einem Vorgespräch zusammentreffen. An einem einzigen Tag erfolgen somit eine umfassende (medizinische, soziale und psychologische) Bestandsaufnahme, die Durchführung von Untersuchungen und eine kohärente Information. Dieses Konzept wird derzeit in der Augenheilkunde und in der Hand-/Fusschirurgie implementiert. Dadurch kann die wahrgenommene Sicherheit erhöht, der Patient optimal vorbereitet und die Rückkehr nach Hause besser organisiert werden. [7]
Auch eine Echtzeit-Überwachung des Operationsverlaufs wird derzeit umgesetzt. Im Anschluss an die Identifizierung im Kokon werden die Bewegungen automatisch nachverfolgt, sodass der Fortschritt sichtbar wird und erforderliche Anpassungen abgeschätzt werden können. Diese Daten fliessen in die Optimierung der Planung und der Ressourcen ein.
Mehrere bereits implementierte oder in Umsetzung befindliche Massnahmen tragen dazu bei, die Rate der ungeplanten Spitaleinweisungen (4 Prozent) zu senken.
3. Kommunikation und Qualitätssteuerung
Fast 60 Prozent der Patientinnen und Patienten äussern Vorbehalte gegenüber der ambulanten Chirurgie. Deshalb gilt es, eine zielgerichtete, pragmatische und beruhigende Kommunikation zu entwickeln, um vorgefasste Meinungen abbauen und das Vertrauen in dieses Behandlungsmodell stärken zu können. Eine Informationskampagne, die auf klaren, verständlichen und personalisierten Botschaften beruht und eine sichere Nachverfolgung beinhaltet, ist derzeit in Vorbereitung und wird eingesetzt, sobald die Ergebnisse in der wissenschaftlichen Literatur veröffentlicht sind.
Die Qualitätsbewertung beruht nun auf einem doppelten Ansatz mit angepassten Indikatoren:
Ausgaben, die mit dem Betrieb des Zentrums verbunden sind. Es handelt sich weniger um Aufwand und Kosten als vielmehr um ein Mindset, das in den Prozess eingebunden wird.
Dieses Projekt soll eine Entwicklung befördern, in deren Mittelpunkt sowohl die Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten als auch diejenigen der Fachkräfte stehen. Es wird zunächst ein Umfeld geschaffen, das das Engagement der Teams und das Vertrauen der Patientinnen und Patienten fördert. Dadurch lassen sich die erkannten Hindernisse beseitigen und die Ambulantisierung realistisch und umsetzbar gestalten. Das Projekt beruht auf der Überzeugung, dass Pflegekräfte, die Unterstützung und Vertrauen spüren, die Pflege sicherer gestalten und für höhere Akzeptanz sorgen können.
Sein innovativer Charakter liegt in der koordinierten Integration von Lösungen in den Bereichen Organisation, Architektur, Technologie und Mensch, wie zum Beispiel der einheitlichen präoperativen Konsultation, den «Kokon»-Räumen, dem Programm «Serenity», dem optimalen Einsatz der Regionalanästhesie oder auch der Software «Grimoires». Dieser Ansatz geht direkt auf die in den Audits festgestellten Einschränkungen ein und berücksichtigt die Besonderheiten des Schweizer Kontexts.
Die Umsetzung beruht auf messbaren Massnahmen, die in die Prozesse des Zentrums integriert sind, wobei die Steuerung auf objektiven Indikatoren und den von den Patientinnen und Patienten übermittelten Daten beruht. Ebenfalls vorgesehen ist eine dedizierte Kommunikationsstrategie, um die Menschen auf klare, beruhigende und wissenschaftlich fundierte Weise zu informieren. Dies wird dazu beitragen, die Akzeptanz des ambulanten Modells zu erhöhen.
Diese kontinuierliche Verbesserung schafft die Voraussetzungen für ein anpassungsfähiges und dauerhaftes Modell. Das Modell setzt auf stabilere Teams, modulare digitale Tools und eine optimierte Organisation. Dadurch kann es zu einem Referenzmodell werden und andere Schweizer Einrichtungen, die sich der Ambulantisierung verschrieben haben, inspirieren.
Dr. Lionel Dumont, Universitätsspital Genf ([email protected])
Juliette Lemaignen, Zentrum für ambulante Chirurgie Genf ([email protected])
https://chirurgie-ambulatoire.ch
| lionel.dumont | |
| Tel | 078 604 18 79 |