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Ein innovatives ambulantes Modell für die Chirurgie beim diabetischen Fusssyndrom: Wirksamkeit, Sicherheit und Wirtschaftlichkeit

Beschreibung

Ambulantes Netzwerk für das diabetische Fusssyndrom; mehrere Standorte in zwei Kantonen, weitere geplant. Pro Jahr werden hier mehr als 4400 Patientinnen und Patienten im Rahmen von Screenings untersucht, behandelt und operiert. Das Leistungsspektrum umfasst Rekonstruktionen, Infektiologie, Osteomyelitis, minimalinvasive Chirurgie und Amputationen. Dank einer koordinierten Organisation mit einem grossen Netzwerk von Fachärztinnen und Fachärztinnen sowie Pflegekräften, ergänzt durch die Möglichkeiten der Telemedizin, werden über 95 Prozent der Operationen ambulant durchgeführt, wodurch Amputationen reduziert werden und die Selbstständigkeit erhalten bleibt, was auch zur Kostensenkung beträgt.

Bereich

Fusschirurgie, septische Chirurgie (orthopädische Chirurgie), aber auch Gefässchirurgie und Angiologie, Infektiologie

Laufzeit des Projekts

2 Jahre

Involvierte Berufsgruppen

Ärztinnen/Ärzte und Pflege

Eignung

Heute sind weltweit 537 Millionen Erwachsene von Diabetes betroffen; bis 2045 dürfte diese Zahl auf fast 784 Millionen ansteigen. Einer von vier Diabetespatienten entwickelt im Laufe seines Lebens ein Fussulkus. Die jährliche Inzidenz liegt zwischen 2 und 7 Prozent, die Rezidivrate bei 40 bis 65 Prozent. Fast ein Drittel der Ulzera macht eine Amputation erforderlich, und die 5-Jahres-Sterblichkeit kann 50 bis 70 Prozent betragen. 
Der diabetische Fuss verursacht auch eine erhebliche volkswirtschaftliche Belastung. Ein grosser Teil der Ausgaben steht im Zusammenhang mit wiederholten Spitalaufenthalten, dauerhaftem Pflegebedarf, wiederholten Eingriffen und dem Verlust der Selbstständigkeit. Die Kosten sind beträchtlich: Bis zu 70 Prozent der Ausgaben entstehen durch lange und wiederkehrende Spitalaufenthalte. In einigen Ländern machen die Komplikationen des diabetischen Fusses bis zu 1 Prozent der nationalen Gesundheitsausgaben aus. 
Unser Projekt reagiert direkt auf diese wachsende Problematik, indem es ein spezialisiertes ambulantes Modell vorschlägt, das in grossem Massstab anwendbar und in anderen Kantonen reproduzierbar ist. Das Modell beruht derzeit auf drei Zentren in zwei Kantonen. Es soll auf andere Regionen übertragen werden, um die Versorgung den oft wenig mobilen Patienten näher zu bringen. 

Der Ansatz ist insbesondere anwendbar auf: 

  • Patientinnen und Patienten mit chronischen Ulzera; 
  • Infektionen des diabetischen Fusses; 
  • Deformationen mit Ulzerationsrisiko.

Ablauf

Der Patient wird bereits bei der Erstuntersuchung in einen strukturierten ambulanten Behandlungspfad eingebunden. 

Der Prozess umfasst: 

  • orthopädische Untersuchung; 
  • angiologische und/oder vaskuläre Untersuchung; 
  • standardisierte Wundversorgung; 
  • ggf. Untersuchung durch einen Orthopädieschuhmacher; 
  • ggf. Behandlung von Infektionen; 
  • ggf. ambulante Chirurgie; 
  • intensive Betreuung zu Hause; 
  • kontinuierliche multidisziplinäre Koordination. 

Zu den durchgeführten Eingriffen gehören: 

  • Débridement; 
  • Ulkusexzisionen und Behandlung von Osteomyelitis; 
  • Rekonstruktionen und Chirurgie zur Rezidivprävention; 
  • Amputationen; 
  • minimalinvasive Chirurgie. 

Die minimalinvasive Chirurgie ist nun fester Bestandteil des Projekts. Sie ermöglicht es, bestimmte Deformationen, die zu erhöhtem Druck und Geschwüren führen, mit millimeterkleinen Schnitten zu korrigieren, wodurch postoperative Schmerzen, das Infektionsrisiko, Ödeme und die Genesungszeit reduziert werden. 

Nach der Operation erhalten die Patientinnen und Patienten: 

  • Besuche durch spezialisierte Pflegekräfte alle 1–2 Tage; 
  • eine fortschrittliche Wundversorgung; 
  • ggf. intravenöse Antibiotikatherapie zu Hause; 
  • tägliche telemedizinische Betreuung; 
  • wöchentliche chirurgische Konsultationen. 

Fotografien der Wunden werden standardmässig an den zuständigen Chirurgen übermittelt, sodass sofortige Therapieentscheidungen getroffen werden können. Im Falle einer Verschlimmerung kann eine dringende Konsultation oder ein ärztlicher Hausbesuch schnell organisiert werden.

Methodik

Das Projekt basiert auf einer multidisziplinären ambulanten Versorgung, die zwischen folgenden Fachspezialisten koordiniert wird: 

  • Fusschirurgen; 
  • auf Wundversorgung spezialisierte Pflegekräfte; 
  • Diabetologen; 
  • Angiologen; 
  • Gefässchirurgen; 
  • Infektiologen; 
  • Hausärzte. 

Das gesamte Netzwerk funktioniert wie ein regelrechtes «medizinisches Orchester», was eine schnelle Entscheidungsfindung ermöglicht. 

Zwischen 2024 und 2025 führten wir eine prospektive deskriptive Kohortenstudie mit Patientinnen und Patienten durch, die an Ulzera und Infektionen des diabetischen Fusses mit oder ohne Osteomyelitis litten. 

Alle Patientinnen und Patienten wurden systematisch über die beiden Optionen aufgeklärt: 

  • stationäre Behandlung im Spital; 
  • verstärkte ambulante Versorgung. 

Die ambulante Versorgung umfasste: 

  • ambulante Operationen unter geeigneter Anästhesie; 
  • Organisation der häuslichen Pflege; 
  • engmaschige Nachsorge; 
  • Telemedizin; 
  • regelmässige chirurgische Konsultationen. 

In dieser Kohorte: 

  • entschieden sich fast alle Patientinnen und Patienten für eine ambulante Behandlung; 
  • umfassten die Eingriffe Débridements oder kleinere Amputationen; 
  • benötigten nur wenige Patientinnen und Patienten einen kurzen stationären Aufenthalt wegen einer anfänglichen intravenösen Antibiotikatherapie oder aus sozialen Gründen. 

Selbst in Fällen schwerer Infektionen konnte die ambulante Nachsorge nach einer ersten Stabilisierung fortgesetzt werden. 

Zwei Patienten, die trotz einer systemischen Infektion einen Spitalaufenthalt ablehnten, konnten zu Hause dreimal täglich mit einer intravenösen Antibiotikatherapie in Verbindung mit wiederholten ambulanten Débridements versorgt werden. 

Diese Vorgehensweise zeigt, dass mit einem strukturierten ambulanten Modell auch Fälle behandelt werden können, die üblicherweise als ausschliesslich stationär zu behandelnde Fälle gelten.

Aufwand und Kosten

Der diabetische Fuss stellt eine erhebliche wirtschaftliche Belastung für die Gesundheitssysteme dar. 

Besonders hoch sind die Kosten für die stationäre Behandlung: 

  • längere Spitalaufenthalte; 
  • wiederholte Eingriffe; 
  • Pflege; 
  • intravenöse Antibiotikatherapie; 
  • Rehabilitation; 
  • verbundene Komplikationen. 

Der DRG-Basistarif für stationäre Spitalleistungen beträgt etwa 9000 CHF und liegt bei Patientinnen und Patienten mit Diabetes und mehreren Begleiterkrankungen oft darüber. 

Die Einsparungen fallen bei Patienten, die mehrere aufeinanderfolgende Eingriffe benötigen, noch deutlicher aus – eine Situation, die beim diabetischen Fuss äusserst häufig vorkommt. 

Im Gegensatz dazu senkt unser ambulantes Modell diese Kosten drastisch: 

  • eine ambulante Operation kostet bis zu zehnmal weniger; 
  • selbst unter Einbeziehung von Pflege, Telemedizin, wiederholten Konsultationen und erneuten Eingriffen betragen die Gesamtkosten weniger als 20 Prozent der Kosten einer herkömmlichen stationären Behandlung. 

Der Einsatz minimalinvasiver Chirurgie trägt ebenfalls zu einem Rückgang im Hinblick auf folgende Aspekte bei: 

  • Genesungszeit; 
  • Schmerzmittelbedarf; 
  • postoperative Komplikationen; 
  • Häufigkeit aufwändiger Verbandwechsel. 

Das Projekt bietet somit eine nachhaltige Lösung angesichts der stetig steigenden Zahl von Diabetespatienten.

Nutzen und Wirksamkeit

Unsere Erfahrung zeigt, dass die meisten Komplikationen des diabetischen Fusses ambulant wirksam behandelt werden können, wenn folgende Voraussetzungen erfüllt sind: 

  • angemessene Auswahl der Patientinnen und Patienten; 
  • strukturiertes Netzwerk; 
  • engmaschige medizinische Nachsorge; 
  • gut funktionierende multidisziplinäre Koordination. 

Folgende Hauptvorteile wurden festgestellt: 

  • Rückgang von schweren Amputationen; 
  • Abnahme der Spitalaufenthalte; 
  • Früherkennung von Komplikationen; 
  • Verbesserung der Therapietreue; 
  • Verbleib der Patienten in ihrem gewohnten Umfeld; 
  • Erhalt des sozialen und familiären Alltags; 
  • Reduzierung der Kosten für lange Spitalaufenthalte. 

Das Modell steigert zudem die Zufriedenheit der Patientinnen und Patienten. Diese empfinden trotz der ambulanten Versorgung ein starkes Gefühl der Sicherheit, was auf den ständigen Kontakt mit den Ärztinnen und Ärzten sowie dem Pflegepersonal zurückzuführen ist. 

Die Einbindung der Telemedizin gewährleistet eine sehr hohe Reaktionsfähigkeit und macht jeden Besuch des Pflegepersonals zu einer echten aufsuchenden Konsultation. 

Schliesslich eröffnet die minimalinvasive Chirurgie wichtige Perspektiven bei der Prävention von Ulkusrezidiven und der Reduzierung postoperativer Komplikationen. 

Unser Ziel ist es nun, das erste Schweizer Netzwerk aufzubauen, das sich vollständig dem ambulanten Extremitätenerhalt widmet und in der Lage ist, eine hochspezialisierte, wirtschaftlich tragfähige Versorgung anzubieten, bei der die Erhaltung der Selbstständigkeit von Diabetespatienten im Mittelpunkt steht. 
Diese Ergebnisse belegen die Machbarkeit, Akzeptanz und Sicherheit der ambulanten Behandlung.

Weitere Informationen und Kontakt

https://swissdiabeticfootcenters.ch

Dr. Nermine Habib
FMH Orthopädie und Traumatologie

Swiss Diabetic Foot Centers GmbH
Dr. med. Nermine Habib
Chemin des colombettes 5a
1740 Neyruz

E-MailNermine.emad
Tel077 903 37 97

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